Учебные материалы


Das Heer der Zwangsarbeiter - Ante Ciliga – Im Land der verwirrenden Lüge



Карта сайта quality-stone.ru 1 ... 13 14 15 16 17 18 19 20 ... 29 ^

Das Heer der Zwangsarbeiter

Die Gefängniselite vermittelte mir die Bekanntschaft mit dem Heer der Zwangsarbeiter. Der alte Ghuschjachiwili spielte dabei mit ganz orientalischer Höflichkeit und viel gutem Willen sozusagen den Zeremonlienimeister. Der Gefängnisgarten diente als „Salon” für das Vorstellen. Iwan Petrowitsch... Bahnhofsvorsteher in X. (eines großen Verschiebebahnhofs unweit von Irkutsk). Kommunist. Zum Tode verurteilt wegen des Verschwindens eines Waggons mit Ladung. Todesstrafe in zehn Jahre Gefängnis umgewandelt. Nikolaus Iwanowitsch, Direktor der Irkutsker Filiale des Getreidetrustes. Kommunist. Vor kurzem mit all seinen Beamten verhaftet. Hier sind sie: sein Assistent, sein Hauptbuchhalter, sein Agronom und andere parteilose Spezialisten. Ihre Schuld? Nichterfüllung des Plans; Getreideverluste. Die parteilosen Spezialisten sind der Sabotage und des Verrats angeklagt, während man den kommunistischen Direktor der Nachlässigkeit und des Vertrauensmißbrauchs beschuldigt. Ihre „Sache” steht noch in den Anfängen. Die GPU ist erst dabei, sie in Gang zu bringen. Sie sind sehr unruhig und sehr vorsichtig. Vor allem der Direktor: man nennt ihn die „Nudel”. Sie bekommen prächtige Lebensmittelpakete von zu Hause. Das hilft ihnen, die Zeit der Ungewißheit zu überstehen. Fedor Miichailowitsch. Hauptbuchhalter der „Sowjetischen Pelze” von Irkutsk. Parteilos. Angeklagt der Unterschlagung und Beteiligung an einer Tauschhandelsaffäre. Was man ihm vorwirft, ist weder Diebstahl noch etwas Ähnliches, sondern einfach ein Vergehen gegen die Planwirtschaft. Was wird ihm das eintragen? Zwei oder drei Jahre wird er auf dieser oder jener Baustelle, in dieser oder jener Wirtschaftsorganisation der GPU mit 200 Rubel Monatseinkommen für die schönen Augen der GPU arbeiten... Was ihn tröstet, ist, daß die GPU ihn nicht allzu schlecht ernährt hat... „Und wieviel haben Sie in Ihrem Trust verdient?” fragte ich ihn. „700 Rubel Grundgehalt. Mit Spesen ungefähr 1000 Rubel im Monat.” — „1000 Rubel. Eine schöne Summe!” sagte ich, „besonders wenn man dann die übrigen Vergünstigungen beim Einkauf usw. noch dazu rechnet.” — „Weiß Gott, meine Frau und ich haben nicht schlecht gelebt. Wir hatten eine schöne Wohnung, neue Möbel, Wäsche” (er war einer der bestgekleideten Männer im Gefängnis)... Fedor Michailowitsch machte sich viel Sorge um seine Wohnung und um seine Möbel, die er gern nach seiner Rückkehr wieder vorgefunden hätte. Er fürchtete, daß die GPU sie für irgend jemanden beschlagnahmen könnte. Ich schlug ihm gleich vor, mir ein Zimmer zu vermieten, wenn man mir, wie versprochen, Irkutsk als Aufenthaltsort zuwiese. Er war damit einverstanden und schrieb sofort an seine Frau, sie möge mir ein Zimmer reservieren. Aber da ich mich dann doch nicht in Irkutsk niederlassen durfte, weiß ich nicht, was aus Fedor Michailowitschs Wohnung geworden ist. Igor Maximowitsch. Moskauer. Ein großer, magerer Fünfzigjähriger. Ingenieur. Offensichtlich eine große Kanone in seinem Trust. Ein sehr gebildeter Mann mit eleganten Allüren und aristokratischen Manieren. Wahrscheinlich von vornehmer Herkunft. Seine Frau war Lettin, und während des Krieges war ihre Familie von Riga nach Moskau geflüchtet. Nach Kriegsende waren ihre Brüder dann nach Lettland zurückgekehrt. Da sie mit ihnen korrespondierte und der eine Bruder, was noch erschwerend ins Gewicht fiel, Offizier in der lettischen Armee war, hatte man sie verhaftet und ihren Mann mit ihr. Sie wurden beide der Spionage angeklagt und zu zehn Jahren Konzentrationslager verurteilt. „Die GPU hat entschieden, daß ich als Maschinenbauer auch eine Eisenbahnlinie bauen kann. Wer weiß? Vielleicht werde ich es schließlich können”, sagte er in träumerischem Ton. Igor Maximowitsch gehörte zu einer Gruppe von dreißig bis vierzig verurteilter Spezialisten, die man in aller Hast im Sonderzug direkt von Moskau nach Swobodni geschickt hatte. Sie machten in Irkutsk nur für sechsunddreißig Stunden Station, und man hatte ihnen einen großen Saal im zweiten Stock angewiesen. „Die B. A. M. braucht Spezialisten, und die GPU rekrutiert sie. Denn selbst für Millionen will niemand in das gottverlassene Gebiet... Während wir noch glücklich sein können, daß man uns nicht erschossen hat”, sagte ein junger Chemiker zu mir, der als Freund eines verhafteten Professors selber verurteilt worden war. Igor Maxiomowitschs Frau, Helene, befand sich in der Frauenabteilung des Gefängnisses. Sie trafen sich beim Spaziergang, genauer, bei der ärztlichen Untersuchung. Ich muß hinzufügen, daß die Zahl der Frauen in unserem Gefängnis ziemlich beträchtlich war. Sie hausten in besonderen Zellen. Aber da die meisten von ihnen arbeiteten, durften sie sich ebenso wie die Männer im Gefängnis frei bewegen. Helene wirkte viel verängstigter als ihr Mann. Anfangs las ich in ihren Augen die bange Frage, ob ich nicht ein GPU-Spitzel sei. Aber bald gab sie ihre Zurückhaltung auf, und von ihr erfuhr ich dann auch die näheren Einzelheiten ihres Falls. Sie tröstete sich mit dem Gedanken, daß das Essen bei der B. A. M. nicht schlecht sei, besonders für die Spezialisten: es gab dort Gemüse und Butter wie sonst nirgends. Das Ehepaar gehörte offensichtlich zur intellektuellen Oberschicht der „Parteilosen” in Moskau und war ein Opfer dier in diesem Kreise vorgenommenen Säuberung geworden. Nach langer Pause hörte ich durch sie den neuesten Moskauer Klatsch, und es war mir, als wäre ich wieder in Moskau. „Man trällert in der ganzen Union die,Fröhlichen Jungens' (den sehr beliebten Schlager aus dem gleichnamigen sowjetischen Lustspielfilm), aber der Komponist ist wegen einer .konterrevolutionären' Anekdote, die er in einer Gesellschaft erzählt hat, nach Sibirien deportiert worden. Klujew ist ebenfalls verbannt. Statt Verse zu machen, betrinkt er sich jetzt in Sibirien, wo er als Tischler arbeitet...” Nachdem sie mir noch von den letzten Theatererfolgen berichtet hatte, ging Helene zu politischen Histörchen über, die man sich in den Kulissen zuraunte: „Alles spricht von dem plötzlichen Tode von Stalins Frau, Allilujewa, und jedermann weiß, daß sie sich das Leben genommen hat.” „Bei uns in Werchni-Uralsk”, antwortete ich, „erzählten alle Georgier, Stalin habe sie vergiftet. “¶„Nein, das stimmt nicht. Sie hat sich selbst vergiftet. Und zwar war das folgendermaßen: Stalin und Allilujewa waren zu einer Gesellschaft bei Ordschjoniklidze anläßlich der Feierlichkeiten zum Gedenken der Oktoberrevolution eingeladen. Auf dem Rückweg gerieten sie in Streit. Allilujewa warf Stalin seine Liaison mit... (ich muß gestehen, daß ich den von Helene zitierten Namen vergessen habe) vor. Stalin, der angetrunken war, bekam einen Wutanfall und schrie seine Frau an: ,Da das so ist, werde ich gleich zu ihr gehen.' Allilujewa kehrte allein nach Hause zurück und nahm Gift.” Ich hörte später in Sibirien eine dritte Version: Allilujewa habe sich aus politischem und moralischem Protest geigen Stalins Schandtaten vergiftet. In meiner Moskauer Zeit hatte ich über Allilujewa nur Rühmenswertes gehört. Zu Anfang des Fünfjahresplans hatte sie sich als Hörerin bei der eben eröffneten Prom-Akademie (Forschungsinstitut für Industriewissenschaft) eingeschrieben. Jedenfalls gab ihr plötzlicher, geheimnisvoller und niemals aufgeklärter Tod vielerlei Gerüchten Nahrung. Zwei in dem Gefängnis sitzende Offiziere der Roten Armee interessierten mich besonders. Sie waren beide annähernd vierzig. Der erste, wohl der ältere, ein korpulenter und mißmutiger Mann, stellte die Gefangjenen-gruppen für die Arbeit außerhalb und die Verschickung in den Fernen Osten zusammen. Er behandelte die Häftlinge wie junge Rekruten. Ich sah ihn ein Jahr später in Krasnojarsk wieder. Er war abgemagert und wirkte verjüngt. Nachdem er wieder freigelassen war, betätigte er sich als militärischer Ausbilder. Der andere, der schlank und behende war und einen kleinen Bart trug, ging, einen Stock in der Hand, mit uns im Park spazieren und erzählte uns seine Kriegserinnerungen. Seine Manieren und seine Sprache ließen mich ihn für einen Offizier der nachrevolutionären Zeit halten. Aber ich täuschte mich: er war schon unter dem Zaren Offizier gewesen. Nachdem ich ihn näher kennengelernt, merkte ich, daß er ein Mann der alten Schule war. Aber wie hatte er sich verwandelt!... Das Leben während der Revolution hatte eine seltsame Synthese geschaffen: die alten Gewohnheiten hatten eine neue Form angenommen. Er wirkte ganz wie ein aus dem Volke hervorgegangener Offizier. Vor seiner Verhaftung war er Bataillonskommandeur gewesen. Das war alles, was ich aus ihm herauskriegen konnte. Er war mit zwei der Gefangenen befreundet, einem Zollbeamten und einem Direktor eines Lehrerseminars. Ich habe nicht erfahren können, wessen man den Zollbeamten beschuldigte. Der Seminardirektor, Kommunist, war der Verbreitung chauvinistischer Ideen in seiner Anstalt angeklagt. Seine Schüler gehörten drei Nationalitäten an: der russischen, tatarischen und tungusischen. Dieser ethnische Unterschied gab zu fortwährenden Konflikten Anlaß. Man verhaftete den Direktor. Im Gefängnis unterhielten sich die Leute äußerst freimütig, sehr viel offener als im Gefängnis von Leningrad, wo ich 1930 gewesen war. Das erklärte sich daraus, daß die meisten schon abgeurteilt und nicht erst in Untersuchungshaft waren. Außerdem lag der erste Fünf jahresplan bereits hinter uns, und der ununterbrochene Terror hatte an Elan verloren. Dennoch bewahrten die Leute insofern eine gewisse Zurückhaltung, als sie nur von dem sprachen, was sie selber gehört und gesehen hatten. Dreioder viermal wurde ich nichtsdestoweniger Ohrenzeuge von scharfen Angriffen auf die Regierung. Am heftigsten äußerte sich in dieser Hinsicht ein zwanzigjähriger, aus einem „Spezialisten-Milieu” stammender Student: Er sagte mir, er sei wegen „Beteiligung an einer konterrevolutionären Organisation in der Elektrizitätsindustrie” verurteilt worden. Der öffentliche Prozeß hatte im Frühjahr 1933 in Moskau stattgefunden. Außer den russischen waren zwei englische Ingenieure in diesen Prozeß verwickelt. Die Engländer wurden nach ihrer Verurteilung auf eine dringende Intervention der britischen Regierung in Freiheit gesetzt und ausgewiesen. Wie der junge Mann sagte, war die ganze Sache viel ernster gewesen, als es in dem Prozeß offenbar geworden. Die Regierung hatte den eigentlichen Umfang der Affäre verschleiert und sie als einfache „Sabotage” hingestellt, obwohl es in Wirklichkeit ein regelrechtes Komplott gewesen war. Die Organisation hatte einen genauen Plan ausgearbeitet, nach dem in ganz Moskau plötzlich das Licht ausgehen sollte, während im Kreml und an anderen strategischen Punkten der Stadt Explosionen erfolgten. Danach sollte dann von den Technikern und Ingenieuren eine neue Regierung gebildet werden. „Nur die moderne Technik und die Zusammenarbeit von Technikern und Ingenieuren vermögen den Sturz der kommunistischen Regierung zu bewirken”, versicherte der junge Mann. Das Komplott wurde zufällig aufgedeckt. Der eine der Hauptdirektoren des Moskauer „Elektrokombinats”, der auch einer der Anführer der Verschwörung war, ließ, als er aus dem Panzerschrank Papiere herausnahm, vor den Augen eines Kommunisten einen Plan von Moskau fallen, auf dem die Stellen, die man sprengen wollte, eingezeichnet waren. Der Student war ein naher Verwandter eines der Hauptangeklagten. Mit falschen Papieren hatte er sich auf den Schiffswerften am Baikal Arbeit gesucht und hoffte, so weit vom Schuß, außer Gefahr zu sein. Aber sechs Monate später spürte man ihn auf und nahm ihn fest. Bei meiner Verhaftung fragte mich die GPU nach meinem richtigen Namen. Ich merkte, daß jedes Leugnen sinnlos war, und gestand darum alles. Der Galgen war mir sicher, aber dank meiner Jugend bin ich mit zehn Jahren Konzentrationslager davongekommen.” Alles in diesem Bericht klingt unwahrscheinlich, phantastisch, prahlerisch, um kein stärkeres Wort zu gebrauchen. Ich gebe ihn hier trotzdem wieder, weil es der einzige Fall ist, da ein Angeklagter erklärte, daß die Sabotagebeschuldigung keine grobe Verdrehung, sondern die Wahrheit gewesen sei. Ich kann freilich nicht dafür bürgen, ob der junge Mensch tatsächlich für das verurteilt worden ist, was er mir erzählt hat, aber eins steht jedenfalls fest: er gehörte einem intellektuellen Kreise an, der mit den Ingenieuren und Technikern Moskaus in Verbindung stand. Er wirkte dennoch nicht wie der Sohn einer intellektuell-bourgeoisen Familie der alten Zeit. Auch er war das Produkt seiner Epoche: bis zu einem gewissen Grad war er sogar der typische sowjetische Nachrevolu-tions-Student: demokratisch in seiner äußeren Haltung, Volksverächter in seiner Ideologie, Anbeter der Technik und obendrein leidenschaftlicher Sportler. Selbstsicher, amoralisch, zu allem bereit. Ich war nicht wenig verwundert, als er wenige Tage nach unserem Gespräch in den Dienst des „Büros für politische Erziehung” im Gefängnis trat, um Propaganda unter den in den Ziegeleien der Stadt arbeitenden Häftlingen zu treiben. Er mußte in Wort und Schrift, mittels Versammlungen und der Wandzeitung, von harter körperlicher Arbeit erschöpfte und ausgehungerte Menschen da von überzeugen, daß ihre Arbeit „Ehrendienst” für den Sozialismus sei. Dieser traurige Tropf mußte in ihnen „sozialistische Begeisterung” wecken! Ich konnte dazu nicht schweigen. „Erlauben Sie”, sagte ich zu ihm, „Sie sind bereit, die Sowjetregierung zu stür zen, und jetzt singen Sie vor diesen unglücklichen, aus- gelaugten Sklaven ihr Loblied.” „Das hilft nichts, man muß sehen, daß man aus dem Dreck wieder herauskommt”, antwortete er ohne eine Spur von Verlegenheit, mit dem natürlichsten und unschuldigsten Lächeln der Welt. Sein, wenn auch etwas mitgenommener, Sportpullover nach letzter Moskauer Mode stand ihm ausgezeichnet; an seinem Handgelenk prangte ein kräftiges Lederband mit einer Metalluhr, dem symbolischen Emblem des „jungen Mannes” der Moskauer guten Gesellschaft. Die Propagandistenarbeit bot viele Vorteile: man kam dadurch um die schwere körperliche Arbeit herum, erhielt vorzügliches Essen und durfte | auf eine Amnestierung hoffen. Außerdem konnte man, so es einem gelüstete, hier und da eine spitze Bemerkung gegen die Regierung einfallen lassen. Würde er das übri-gens tun? Schwer zu sagen. Es hing ganz von den Um- ständen ab. Die Devise seines Lebens war: immer oben- auf bleiben, immer die Hand am Hebel haben. Wenn's ihm nützlich erscheint, wird er sich am Sturz des Regimes beteiligen. Aber er kann sich ihm ebensogut anpassen. Dieser sowjetische Condottiere war jedenfalls zu beidem gleichermaßen fähig. Der Gefängnis-Elite muß noch eine junge Komsomol-Führerin hinzugezählt werden, die wegen „Entwendung sozialistischen Eigentums” zu zehn Jahren verurteilt worden war. Mit ihren neuen, untadelig sauberen Kleidern, ihrem noch unschuldigen Gesicht und den beiden kleinen Zöpfen, die ihr hinten herunterbaumelten, mit ihren höflichen Manieren — sie war mehr jung und angenehm als eigentlich hübsch — wirkte sie wie eine Beamten- oder Kaufmannstochter aus der Provinz, die zufällig ins Gefängnis verschlagen war. Man hätte sie für höchstens fünfzehn gehalten, obwohl sie mindestens siebzehn bis achtzehn sein mußte. Im Gefängnis wurde sie als Pförtnerin beschäftigt, d. h. sie stand neben den Türen, am Eingang zum Korridor oder zu anderen Gebäuden des Gefängnisses. (Der ganze Innendienst wurde von Gefangenen besorgt, die die Verwaltung dafür aussuchte.) „Wie sind Sie zu Ihren zehn Jahren Gefängnis gekommen?” konnte ich mich nicht enthalten, sie eines Tages zu fragen. „Ich war Verkäuferin in einem Komsomol-Musterladen. Der Geschäftsführer stahl, und wir Angestellte wagten nicht, ihn anzuzeigen. Wir haben dafür zehn Jahre bekommen.” „Aber warum haben Sie ihn nicht angezeigt, da Sie doch nicht an den Unterschlagungen beteiligt waren?” „Wir hatten einfach Angst. Der Geschäftsführer war zugleich der Sekretär der kommunistischen Jugendzelle und Mitglied des städtischen Jugendausschusses. Eine Anzeige konnte uns deshalb Repressalien einbringen...” Die kleine Puppe erwies sich als viel berechnender, als ihr äußerer Anschein vermuten ließ. Ein anderes Mal flüsterte sie mir heimlich zu: „Der Gefängnisdirektor hat mir gesagt, ich solle nicht mit den Politischen sprechen. Das könnte der Amnestierung schaden, um die die Verwaltung für mich einkommen will.” Es war klar, daß sie in sechs Monaten wegen „vorbildlicher Führung” amnestiert werden, aber freilich in Ir-kutsk bleiben würde. Nicht umsonst war diese kleine Gefängnisairistokratin so erfahren in sowjetischer Heuchelei... 1 ... 13 14 15 16 17 18 19 20 ... 29


edu 2018 год. Все права принадлежат их авторам! Главная